Strange but true: Wiese zur #WWE!

In Frankfurt fing alles an.

Bei einer House Show im November 2014 stieg Tim Wiese das erste Mal in einen WWE-Ring, damals noch als „Special Timekeeper“ für ein Match. Was folgte, war ein herausragendes und für Wrestlingverhältnisse in Deutschland einmaliges Medienecho. Und Verhandlungen. Zwischen der größten Wrestlingorganisation der Welt und dem vielleicht breitesten deutschen Torwart aller Zeiten. Wiese wurde ins Performance Center nach Orlando eingeladen, trainierte dort mehrere Tage, unter anderem mit der britischen Wrestlerlegende Robbie Brookside. Doch es kam nie zu einem Vertrag. Read More

For The Love Of Pro Wrestling (1/16)

Eigentlich dachte ich daran, einen kleinen Jahresrückblick in Sachen Wrestling zu machen, doch Rückblicke gab es dieser Tage zur Genüge. Zudem ist es doch sowieso viel schöner, sich mit dem zu beschäftigen, was vor einem liegt.

Die WWE kann auf ein turbulentes Jahr 2015 zurückblicken. Vieles läuft falsch, so bewegen sich die Weeklys gegenwärtig auf teils unterirdischem Niveau, nicht nur was die Ratings anbelangt. Aber es ist nicht alles schlecht im Staate World Wrestling Entertainment. Die Entscheidung, Seth Rollins bei Wrestlemania zum Champion zu machen, war absolut korrekt und die Durchführung exzellent. Umso ärgerlicher, dass sich der ehemalige Tyler Black, in diesem Jahr unfassbar dominant, im November schwer verletzte und damit eine große Lücke riss. Nach der erneuten Verletzung von Daniel Bryan ein enorm schwerer Schlag für die WWE. Positiv auch die „Wiedergeburt“ von John Cena. Cesaro-CenaDer 38jährige nahm die Rolle im zweiten Glied an und lieferte sich nach dem Gewinn des US-Titles gegen Rusev bei Wrestlemania reihenweise hochklassige Matches im Rahmen der Open Challenges. Starke Kämpfe gegen Zayn und insbesondere Cesaro und Owens werden mir dauerhaft in Erinnerung bleiben.
Und sonst so? der Undertaker war in diesem Jahr bei öfter im Programm zu sehen und zeigte sich im Vergleich zu den Vorjahren in deutlich verbesserter Form. Auch waren seine Matches gegen Brock Lesnar trotz seines Alters, immerhin 50, von hoher Qualität. Im Tag Team Bereich überzeugten neben Cesaro und Kidd insbesondere The New Day. Toll zu sehen, wie Kingston, Big E und Woods mit dieser schwierigen Ausgangslage umgegangen sind und das Gimmick zu ihrem Vorteil nutzten. Mittlerweile sind The New Day mein Highlight bei fast jeder Show.
Ansonsten bekamen wir viel graue Masse zu sehen, die nicht überzeugen konnte. Storylines für Midcarder sind trotz der immensen Zeit, die man pro Woche bei Raw und Smackdown zur Verfügung hat, Mangelware. Lieber bringt man alle fünf Minuten Wiederholungen, traut man vielen Zuschauern offenbar nicht zu, über mehrere Minuten die Geschenisse zuvor im Kopf zu behalten. Frustrierend und entnervend. Auch die Midcard-Titel konnten nicht nachhaltig etabliert werden. Nach dem herausragenden Run von Cena verschwand der US-Title mit der Rückkehr Del Rios wieder in der Bedeutungslosigkeit und der Intercontinental-Championship ist bei Dean Ambrose zwar gut aufgehoben, muss jedoch weiterhin in Storylines eingebunden sein. Die bisherigen Aufeinandertreffen mit Owens lassen allerdings hoffen.
Gegen Ende des Jahres hat die WWE endlich auch das geschafft, was sie eigentlich schon zu Beginn  von 2015 plante: Roman Reigns zum neuen Überface zu pushen. Lange Zeit wurde er von den vermeintlich „smarten“ Fans nicht als solcher akzeptiert, verlief der Push doch zu glatt und wurde regelrecht übers Bein gebrochen, während die Mehrheit der Zuschauer Daniel Bryan favorisierten. Mit dem Verlust des neugewonnenen Titels gegen „Money in The Bank“-Einlöser Sheamus und der darauffolgenden PPV-Niederlage nach Eingriffen konnte man die Stimmung in seine Richtung bewegen. Die fast schon klassische Konfrontation mit McMahon – ganz im Stile von Austin – mit anschließendem Titelwechsel – quasi „against all odds“ – ließ das Gros der Fans schlussendlich die Seiten wechseln.

Schön und gut, Mission completed. Für Wrestlemania bedeutet dies, dass die Auseinandersetzung zwischen Roman Reigns und Triple H noch weiter aufgebaut und dort wohl ihr Finale finden wird. Doch wird diese ein Match um den Titel sein? Streng genommen müsste HHH dafür den Royal Rumble gewinnen. Wenn nicht, droht uns eventuell ein Triple Threat Match.
Ansonsten ist noch vieles in der Schwebe. Der Zeitpunkt der Rückkehr von Cesaro und auch Rollins ist ungewiss und auch der Taker hat bislang noch keinen passenden Kontrahenten für Wrestlemania in seinem Heimatbundesstaat. Sting würde ich noch immer nicht vollends ausschließen, aber nach dessen Nackenproblemen wurde es ruhig um den ehemaligen WCWler.


 

Absurd. Als Absurd positiv dagegen kann man das beschreiben, was die WWE mit dem Format NXT erschaffen hat. Im Gegensatz zum insgesamt eher schnöden Hauptprogramm werden hier Charaktere aufgebaut, Fehden meist logisch durch – und neue Talente herangeführt. Fraglos: Die meisten NXT-Akteure sind keine Unbekannten und haben ihre Spuren bereits in den Indys hinterlassen. Balor und mehr noch Samoa Joe sind gestandene Pro-Wrestler, die auf eine lange Liste von Erfolgen zurückblicken können. Die WWE schafft es hiermit allerdings, ein eigenes Produkt zu entwickeln, welches ingesamt noch runder und wertiger ist als beispielsweise Ring of Honor. Gleichzeitig werden die Athleten so an das Mainroster herangeführt. Gleichwohl ist es kein Automatismus, dass diese dann auch in der WWE funktionieren. So tun sich beispielsweise Bo Dallas, Tyler Breeze und Adam Rose mehr als schwer, während Kevin Owens, die Lucha Dragons oder Charlotte und Sasha Banks sofort gut angenommen wurden. dfXJ1PtGenerell muss man die Womens Division bei NXT lobend erwähnen, die unter anderem mit den Aufeinandertreffen zwischen Bailey und Sasha Banks echte Kracher produzierte. Bleibt zu hoffen, dass dies auch im Mainroster wiederholt werden kann, doch die aktuellen Entwicklungen in der Divas-Division sehen bislang in der Tat recht passabel aus.

Insgesamt ist NXT im Jahr 2015 weiterhin als absolute Bereicherung der Wrestlingszene anzusehen. Für junge Talente scheint es nun noch attaktiver geworden zu sein, zur WWE zu wechseln und durch erste Touren nach Übersee bekommen auch europäische und japanische Wrestlingsfans etwas vom NXT-Feeling mit. Man darf gespannt sein, wer 2016 für Furore sorgen wird, allerdings dürften die beiden Titelträger Bailey und Finn Balor noch ein wenig bei NXT verweilen und mit einem so hochwertigen Roster, welches beispielsweise Apollo Crews, Asuka, Hideo Itami oder Tommasso Ciampa beinhaltet, dürfte einem so schnell sowieso nicht langweilig werden.

Für die deutschen Wrestlingfans kommt es in dieser Woche schon zu einigen – lang ersehnten – Neuerungen: Ab Dienstag, den 5. Januar, kann man sich endlich für das WWE Network anmelden. Der erste Monat ist, wie schon fast üblich, kostenlos, danach werden 9,99$ fällig und zunächst wird man über Desktop, Mobile und Laptop auf das Programm zugreifen können. Ich freue und sehe mich schon jetzt rechtzeitig zum Royal Rumble nachts vor dem TV sitzen. In der Hoffnung, dass beim vielleicht spannendsten WWE-PPV des Jahres wieder Dinge passieren, die ich so nicht vorher erwartet hätte.


 

2015 war auch das Jahr, in dem ich mir endlich wieder mehr Zeit für Euro-Wrestling, im speziellen wXw, nahm. Die Catch-WG wurde gegründet und neben 16 Carat wurde auch das World Tag Team Tournament besucht, ebenso wie beide Frankfurt-Shows und das Tourfinale im Dezember in Oberhausen. Die Entwicklung von Westside Xtreme Wrestling ist, wie hier schon mehrfach beschrieben, erstaunlich. In den nun 15 Jahren seit Beginn hat sich so viel getan und die Professionalisierung ist weit vorangeschritten. Sollte es Sender geben, die ernsthaftes Interesse am Wrestling in Deutschland haben, dann wäre wohl jetzt der richtige Zeitpunkt, hiermit einzusteigen. Ein wöchentliches oder zweiwöchentliches Format auf Eurosport könnte ich mir sehr gut vorstellen. Fast noch besser wäre eine Kooperation mit Rocket Beans TV, aber dieses Thema habe ich ja auch schon mehrfach angesprochen. Neben dem Start einer eigenen Academy ist auch die Entwicklung mehrerer Wrestler erwähnenswert. endheroTommy End muss ich eigentlich hier nicht mehr erwähnen, ist er mittlerweile doch über jeden Zweifel erhaben. Zudem legt Axel Dieter Jr. immer noch eine Schippe drauf und könnte für mich, bei etwas mehr Masse, einer der Athleten werden, die aufgrund ihres Looks und ihrer Fähigkeiten das Zeug dazu haben, irgendwann in der WWE erfolgreich zu sein. Sehr gespannt bin ich auch auf die weitere Entwicklung von Sasa Keel und Jurn Simmons, die beide das Potential haben, noch mehr zu erreichen. Zusammen mit Big Daddy Walter, dem Gesicht der wXw, lassen diese Personen positiv auf die Zukunft der Liga blicken. Schon jetzt sollte klar sein, dass 2016 die Chance bietet, ein noch besseres Jahr für die wXw zu werden, wenngleich wir hier schon über ein – für europäische Verhältnisse – immens hohes Niveau sprechen. Auf das 16 Carat (11. bis 13.3.) freue ich mich jetzt schon, sind doch u.a. bereits mit Zack Sabre jr., Tommy End, Mike Bailey und Daisuke Sekimoto richtig starke Namen angekündigt worden.


 

Bereits heute findet die vermeintlich größte Wrestlingveranstaltung des Jahres in Japan statt. Bei New Japans Wrestle Kingdom 10 kann sich die Catchgemeinde auf tolle Ansetzungen wie Tomohiro Ishii vs. Katsuyori Shibata, Kazuchika Okada vs. Hiroshi Tanahashi oder Shinsuke Nakamura vs. AJ Styles freuen. New Japan wird uns auch in diesem Jahr nicht enttäuschen und zusammen mit Ring Of Honor, die an mindestens fünf Ansetzungen beteiligt sind, abliefern. Wer in Sachen Puroresu auf dem Laufenden bleiben will, der kommt übrigens nicht drumherum, dem wunderbaren STRIGGA bei Twitter zu folgen.

RbRHBXqMachen wir uns nix vor, der Typ ist so ziemlich das, was man als wrestlingverrückt bezeichnen könnte. Ist aber klasse und für jeden, der nicht dazu kommt, annähernd so viel Wrestling zu konsumieren, ein absoluter Gewinn. Der Mann hat ein beträchtliches Wissen und ist nicht ohne Grund seit diesem Jahr bei PWI, dem Magazin Power Wrestling und dem MLW-Podcast vertreten. Ich freue mich für STRIGGA, auch weil ich ihn zu meinem engeren Bekanntenkreis zählen darf und er nun endlich die Anerkennung bekommt, die er sich schon lange redlich verdient hat.

Wer also anlässlich Wrestle Kingdom 10 auf Expertenmeinungen nicht verzichten will, ist bei ihm genau richtig. Ganz generell kann ich allen Ringkampffreunden nur empfehlen, unbedingt mal in die Show hineinzuschauen. Ein Abo bei NJPWWorld ist ja auch hierzulande problemlos möglich und nicht wirklich teuer.

Warum ich Wrestling so liebe…

Überall. Wohin ich schaue, ist so viel faker Mist dabei. Sei es auf der großen Bühne der Politik, im Umfeld diverser „Communities“ oder in Deutschlands liebster Sportart. Eine Form der Unterhaltung wird dagegen immer wieder als „fake“ bezeichnet und ist dabei doch so viel „echter“, als man auf den ersten Blick meinen mag. Schon Mick Foley thematisierte dies in seinem zweiten Buch und wahrscheinlich könnte ich ganze Vorträge zu dem Thema halten. Doch heute will ich mich auf einen anderen Aspekt beziehen, der insbesondere mit Deutschlands Wrestling-Liga Nummer 1, Westside Xtreme Wrestling (wXw), zu tun hat.

Es steht außer Frage, dass Deutschland ein Land mit nicht wenigen Problemen ist. Gerade in den letzten zwei Jahren sind gesellschaftliche Missstände immer deutlicher zum Tragen und der Hass kleingeistiger Menschen sichtbar geworden. Oft stellt man sich als Einzelakteur die Frage, wo und wie man dagegen angehen kann. Nicht selten bekommt man, spricht man dieses Thema innerhalb einer Initiative oder eines Sportvereins an, die Antwort, man wolle unpolitisch bleiben. Sport und Politik seien zwei unterschiedliche Dinge, die es zu trennen gilt. Ich halte dies für grundlegend falsch. Nichts was wir innerhalb einer Gemeinschaft tun, ist gänzlich unpolitisch. Sei es das gemeinsame Aufführen eines Theaterstücks, eine Choreographie im Fußballstadion oder eben Wrestling, wo zwei oder mehr Menschen antreten, um das Publikum zu unterhalten.

Ähnlich wie beim Fußball kann man auch hier nicht auswählen, welches Publikum man anzieht. Die Gesinnung von Mitmenschen zeigt sich – wenn überhaupt – meist erst spät. Die Frage ist dann allerdings, wie man reagiert. Das erste Mal vor Augen geführt wurde mir dies bei der GSW in Marburg. Hier wurde ein Wrestler – der „König der Catcher“ Karsten Beck – als „schwul“ „beschimpft“. Überhaupt zu denken, dass die sexuelle Ausrichtung einer Person als Beschimpfung herhalten kann, ist peinlich. Und zum Glück sah dies sein Manager an jenem Abend – CM Jakobi – ähnlich, der prompt auf die Rufe reagierte und sagte, er wäre froh, wenn sein Schützling schwul wäre. Diese Art des direkten Einlenkens führte zu einer Diskussion innerhalb der Szene. Eine Diskussion, die notwendig ist, öffnet sie vielleicht auch einigen eher unreflektierten Menschen die Augen.

Ähnliches geschah nach dem großen Tag Team Turnier der wXw im Oktober. Hier entschuldigte sich der Fan einige Stunden später via Facebook für sein Verhalten, nachdem zuvor andere Zuschauern darauf hinwiesen, dass Grenzen überschritten wurden. Und auch Christian Michael Jakobi – einer der Geschäftsführer der wXw – ging auf diesen Vorfall ein und wurde in Sachen Ausrichtung der Liga mehr als deutlich.

Und auch angesichts der aktuellen Diskussion rund um das Thema Flüchtlinge gab es seitens Jakobi ein klares Statement.

Für mich der einzig richtige Weg. Nur so erreiche ich, dass Fans klar mit den Positionen der Company konfrontiert und Fremdenfeindlichkeit, Homophobie und Sexismus auch in Zukunft nicht toleriert werden. Klar: Je größer das Publikum der wXw wird, desto schwierig  ist es, sämtlichen Entgleisungen Einhalt zu gebieten, aber es ist ein Weg, der sich lohnt. Kann man die Welt schon nicht im Großen verbessern, so hat man hier immerhin die Möglichkeit, diese im Kleinen ein wenig besser zu machen.