Kurz gemeldet: Project Shelter besetzt Haus auf Berger Straße

Während der heutigen Demonstration am Tag der Menschenrechte besetzten Aktivist*innen von Project Shelter ein leerstehendes Haus auf der Berger Straße 103 im Frankfurter Stadtteil Nordend-Ost (correct?).

Die Hausbesetzung soll dazu dienen, den vielen Refugees ein Dach über dem Kopf zu bieten und ein selbstverwaltetes Zentrum für obdachlose Geflüchtete und Migrant*innen zu schaffen. Die komplette Pressemitteilung findet man hier auf projectshelter.net. Für den morgigen Freitag (11.12.15) ist um 12 Uhr eine Pressekonferenz vor dem besetzten Haus geplant.

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Soeben haben Aktivist*innen von uns in Bergerstraße 103 in Bornheim ein leer stehendes Gebäude besetzt! Endlich können…

Posted by Project.Shelter – Frankfurt on Donnerstag, 10. Dezember 2015

Gespräche II

Gespräche mit meiner Mutter.

Sie ist über sechzig Jahre alt und wohnt in einem Dorf, circa 40 Kilometer entfernt von Frankfurt. Neulich trafen wir uns hier an der Hauptwache zu einem Mittagessen. Im Verlauf unserer Unterhaltung kamen wir auch auf die aktuell überhitzt geführte Debatte bezüglich Refugees zu sprechen. Im Dorf, sei es im Supermarkt, beim Friseur und selbst auf dem Friedhof, wird viel geredet. Hierbei war es für mich sehr interessant zu erfahren, welche Aussagen dort getroffen werden, lebe ich in der Großstadt doch ein wenig in meinem Kokon und bekomme von den Menschen im ländlichen Bereich oftmals nicht mehr allzu viel mit. In erschreckender Weise zeigt sich deutlich, dass sich xenophobe Meinungsmache in die Köpfe vieler Menschen eingebrannt hat. Am Kaffeetruck vor dem Media-Markt unterhalten sich Menschen über die vielen Krankheiten, die Vertriebene nun mitbringen würden. AIDS wird immer wieder genannt. – Völlig losgelöst von irgendwelchen Fakten wird hier unbegründet Angst geschürt und Parallelen zur dunkelsten Zeit Deutschlands schießen mir unwillkürlich in den Kopf. PEGIDA, NPD und Konsorten nähren eben jene Ängste mit ständig falschen Fakten, zumeist in den sozialen Netzen.

Beim Friseur werden düstere Zeiten prognostiziert. Ein Bürgerkrieg werde kommen, Flüchtlinge seien in Wahrheit Mitglieder des IS. – Man merkt, welch perverse Verdrehung von Tatsachen hier stattfindet. Viele der Refugees aus Syrien flüchten gerade VOR dem IS, da sie dort die Ausübung ihrer Religion und damit auch ihr Leben in Gefahr sehen. Es ist traurig zu sehen, dass auch in wohlhabenden Gemeinden mit funktionierenden Sicherungssystemen und niedriger Arbeitslosenquote Emotionen mehr ziehen als Fakten.

Meine Mutter tritt diesen Ressentiments entgegen. Früher war sie regelmäßig in Frankfurt unterwegs, lebte und liebte diese Stadt. Sie genoss das Gefühl Frankfurts, diese ungezwungene Multikulturalität. Dies prägte sie und so vermittelte sie mir dieses Lebensgefühl während meiner Erziehung. Und: Diese positive Haltung hält auch Stand gegen die Hassreden, die Aufwiegelungen, das Ausnutzen von Ängsten. Ihrer Friseurin entgegnete sie, dass sie keinen Bürgerkrieg kommen sehe. Viel wichtiger sei es, die Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen bei der Integration zu helfen.

Auch sie fremdelt mit der Tatsache, dass manche Menschen eine Burka tragen. Die Gründe hierfür erscheinen ihr nicht logisch. Trotzdem wies sie zuletzt im Wartezimmer eine Frau zurecht, die sich lauthals über die Verhüllung ihrer Sitznachbarin echauffierte.

Ich rede mit meiner Mutter über diese Themen. Versuche, ihre Fragen zu beantworten, eventuelle Sorgen mit Fakten zu beseitigen. Sie hat ihre positive Weltsicht noch nicht verloren. Trotz der Tatsache, dass auch sie eine Verrohung der Debatte in ihrem Wohnort bemerkt. Trotz, dass immer wieder (geplante) Flüchtlingsheime angezündet werden und auch ihr Landrat schon Morddrohungen erhalten hat. Auch sie hat wesentlich größere Angst vor den rechten Kräften, die es zuvor nicht viel weiter als bis zur Biertheke geschafft haben. Es liegt auch an uns, ihr diese Angst zu nehmen und gleichzeitig mit Politiker_Innen Möglichkeiten zu erarbeiten, damit das positive Beispiel der Frankfurter Multikulturalität auch auf andere Gebiete Deutschlands übertragen werden kann. Es ist vielleicht die größte Aufgabe dieser Generation, die gleichzeitig mit den Resultaten der Politik arbeiten muss, die Kriege durch Waffenlieferung zumindest indirekt unterstützte und es im eigenen Land nicht schaffte, rechtsextremes Gedankengut zu bekämpfen.

Linktipps am Mittwoch – Refugees in Deutschland

Politisch geht es in Deutschland noch immer drunter und drüber, das Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt Politiker und die Beschwerden besorgter Bürger werden nach Zwischenfällen in Flüchtlingsunterkünften (die teils fürchterlich mangelhaft ausgestattet und nicht für winterliche Wetterbedingungen ausgelegt sind) immer größer.

Damit die Diskussion jedoch mal wieder etwas versachlicht und mit wissenschaftlichen Fakten gefüttert wird, hier mal ein paar Links:

 

Bildnachweis: By Willi Wallroth (Own work, all rights released (Public domain)) [Public domain], via Wikimedia Commons