The Internet of Shit – Userkotze

Ich lebe in gewisser Weise in einer Filterbubble. Dessen bin ich mir bewusst. Aber hin und wieder muss ich ungewohntes Terrain betreten, mich den Eigenarten des Netzes stellen.

Eine solche ist die Welt der Foren. Nun war ich früher ein großer Fan dieser Communities und verstehe auch heute noch ihre Bedeutung. Doch der Ton, der mittlerweile nicht selten an den Tag gelegt wird, ist grenzwertig beschämend. Nur noch Hartgesottene kämpfen sich durch die Sumpf des Eintrachtforums und selbst in Wrestlingforen wird bisweilen scharf geschossen. Kommentare von anderen Usern werden nur überflogen, aber interpretieren und kommentieren geht natürlich trotzdem. Was folgt sind Missverständnisse, Provokationen, persönliche Angriffe und Meinungsverbote. Also genau das, was einem ertragreichen Austausch nicht zuträglich ist.

Ein anderes Drama spielt sich immer öfter auf Twitter ab. Anscheinend haben in den vergangenen Jahren vermehrt einfältige Wutbürger die Plattform für sich entdeckt. Ihren Unmut lassen sie bevorzugt bei „offiziellen“ Accounts ab. Ein Ast liegt auf dem Bürgersteig? Sofort mal die Stadt antwittern und Entfernung anordnen. Der ICE ist drei Minuten zu spät? Gleich mal bei der Bahn beschweren. Wenn dann nicht sofort geantwortet, das Problem nicht behoben werden kann oder gar in Vergessenheit gerät, dann ist Unheil vorprogrammiert. Die Pöbelarmada positioniert sich und bläst zum Sturm. Der Ton wird ruppig, jegliche Netiquetten geraten in Vergessenheit und passt dem Wutbürger die Antwort des anderen nicht, wird schnell ein Screenshot gemacht, den man dann per Nonmention dazu verwendet, den anderen an den Pranger zu stellen. Public Shaming der anderen Art. Interessant in diesem Zusammenhang auch das Verhalten anderer Twitteristi, die dankbar auf den Zug aufspringen, anstacheln und die Motzmaschinerie befeuern. Anstatt mäßigend einzuwirken, scheint es ein belustigendes Interesse daran zu geben, einen „Twitterbeef“ zu verfolgen. Verständnis, dass das Gegenüber vielleicht gerade andere Userprobleme bewältigen muss, sich eventuell mit Flüchtlingsfeinden oder Reichswahnwichtel bei Facebook oder Twitter rumzuschlagen hat, sucht man meist vergebens.

Und so macht sich im Grunde jeder nur zum Horst, verliert jegliche Souveränität und damit auch sein Gesicht. Insbesondere, wenn dann auch noch ständig nachgetreten wird, es zu Seitenhieben persönlicher Art kommt, die den Streitpartner öffentlich diskreditieren.

Well done. Not.

Illustration credit: Vecteezy

 

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