The Internet of Shit II – Bullshit-Blogging und Copycats

Manchmal packt mich ja der Hass. Die Gründe? Gibt es hier:

  • Copy-Paste-Artikel

Manchmal wundere ich mich. Früher dachte ich, Blogs wären dazu da, eigene Sichtweisen, eigene Inhalte oder Netzfunde präsentieren, doch anscheinend liege ich damit mittlerweile falsch. Schaue ich heute in den Stream von Nerdcore, Silberstein und Co. fällt mir vor allem eines auf: Beinahe exakt gleiche Inhalte, dazu noch erstaunlich wenig spektakulär. Ein Beispiel: Die „Rosenkohl-in-Rocher-Verpackung“-Geschichte. Schon ganz lustig, aber nicht originär. Anstatt den Originallink einfach via Social Media zu teilen, wird fix ein eigener spärlicher Beitrag geschnitzt, nur um die Werbekunden des eigenen Weblogs zufrieden zu stellen. Man darf ja keinen Trend, der zu Klicks führen könnte, verpassen. Und so kommt es, dass man als User im Feed gleich mehrfach einen nahezu identischen Artikel auf verschiedenen Blogs präsentiert bekommt, dazu noch mit dem exakt gleichen Bild. So geht das mittlerweile ständig, auch bei der lustigen „This dad Photoshops his kid’s animal drawings“-Story, die sodann 1:1 reproduziert wird, anstatt einfach auf den originalen Ersteller hinzuweisen. Nervt.

  • Alte Artikel der Konkurrenz einfach neu verfassen

Nicht weniger interessant finde ich den aktuellen Trend, erfolgreiche Artikel anderer Websites in frappierend ähnlicher Weise nochmal erstellen zu lassen. Ein konkretes Beispiel: „Ich habe mir als Frau eine Glatze rasiert – und das waren die Reaktionen“ auf ze.tt vom 21.10.16. Das Original erschien im Dezember 2015 auf bento.de unter dem Titel „Was passiert, wenn sich eine Frau den Schädel rasiert“. Schade, dass es die ze.tt-Autorin, die sich sonst gerne mal über jegliche Art der Kulturellen Aneignung aufregt, nicht schafft, einen Verweis auf den Artikel von Laura Nunziante unterzubringen, der sie offensichtlich zu der Geschichte inspirierte.

  • Content zusammenklauen

Als besonders dreist empfinde ich die aktuell immer populärer werdende Variante, sich den Content anderer einfach zusammenzuklauen und daraus eigene Beiträge zu erstellen. So gesehen bei „about frankfurt“, die zunächst hauptsächlich bei Instagram unterwegs waren. Dort sammelte der Profilbetreiber fleißig Foodpics anderer Instagramuser aus Frankfurt und lud die Bilder auf dem eigenen Account hoch. Versehen mit einem kleinen Link auf den Originalautor, aber die vielen Likes kassiert man dann doch schön selbst. Der nächste Schritt ist allerdings noch einen Tick gewiefter: Nachdem man zu bestimmten Essenssparten ausreichend Bilder auf dem eigenen Account gebunkert hat, werden aus dem hauseigenen Blog Listicles erstellt. Diese Beiträge werden – natürlich – angereichert mit den Instagramfotos, schließlich ziehen Bilder immer. Doch wer denkt, wenigstens hier würde auf den originalen Fotografen verlinkt werden, der irrt. Klickt man nicht explizit auf den Instagram-Link, wird man nicht erfahren, dass das Pic nicht von „about frankfurt“ geknipst wurde.

So schafft es diese Website, mit minimalem Aufwand hochwertige Bilder als eigenen Content zu verkaufen und nebenbei ein paar vom eigentlichen Instagramuser inspirierte Sätze auf die Seite zu packen, die dann begründen sollen, warum welche Burger-Butze in Frankfurt jetzt auf Platz 1 oder 5 steht. Ob der Artikelersteller wirklich jemals in den aufgelisteten Läden zu Gast war und die Hamburger, Pommes und Co. persönlich testete, wird man nie erfahren, schließlich sind die textlichen Informationen so generell gehalten, dass man sie problemlos von den Internetauftritten der einzelnen Burger-Bratereien hätte ziehen können. Aber um wirkliche Empfehlungen für den User geht es hier auch nicht. Einladungen zu Testessen und die Hoffnung, baldmöglichst damit Werbung verkaufen zu können. Das ist das offensichtliche Ziel. Mit Content, der zum Groß gar nicht aus der Feder des Website-Betreibers stammt.

Illustration credit: Vecteezy

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