Musik in 2016 – Das Jahr der großen Abschiede

Meine ersten Gedanken zu diesem Artikel entstanden noch lange vor dem Tod eines Musikers, der mir spätestens seit 1998 stark ans Herz gewachsen ist. In eben jenem Jahr kaufte ich mir „Ladies & Gentlemen, the Best of George Michael. Die Doppel-CD nahm ich mit in meinen Urlaub in die Dominikanische Republik und insbesondere die erste Scheibe, die mit den ruhigeren Liedern, lief bei mir ständig hoch und runter. Für einen 14-Jährigen vielleicht etwas merkwürdig, aber Songs wie You Have Been Loved, Father Figure, Jesus to a Child und Co. gingen damals schon unter die Haut.

Nur ein Jahr später erschien „Songs from the Last Century“ und wurde zu einer meiner Lieblingsplatten, gerade auch weil George Michael es immer verstand, fremde Songs eigen zu interpretieren und nicht selten auf ein neues Level zu heben. Roxanne war schon von Police gut, doch Michael drückte dem Lied seinen ganz eigenen Stempel auf und Miss Sarajevo – ursprünglich von U2 und Luciano Pavarotti – wurde aufgrund der Interpretation von Michael zu meinen ewigen Dauerbrennern.

Nun ist George Michael tot, mit lediglich 53 ist er eingeschlafen. Ich bin froh, 2011 noch nach Hamburg gefahren zu sein, um seiner Symphonica-Tour beizuwohnen. So hatte ich die Chance, auch live diese einmalige Stimme genießen zu können.

George Michael war mehr als nur ein Sänger. Er war kontrovers, eckte manchmal an und hat sich gekümmert. Um sein Umfeld, um seine Mitmenschen und insbesondere auch um seine Künstlerkollegen. Kollegen, die sich geehrt fühlten, sang Michael eines ihrer Stücke. In seiner ganz eigenen, herausragenden Art.


Und als ob dies nicht genug wäre, hat es in 2016 noch viele andere tolle Künstler hingerafft.

So weilt auch Leonard Cohen nicht mehr uns. Sein berühmtestes Lied „Hallelujah“ wird ja fast wöchentlich bei diversen Hochzeiten trivialisiert, doch auch viele andere Stücke werden in Erinnerung bleiben. Ich persönlich bin ja ein Fan seiner späten Werke.

Und wenngleich ich in Sachen Cohen kein Experte bin, so gefällt mir von seinen früheren Werken insbesondere auch „I’m your man“.


Prince. Hach, Prince. Auch ein Künstler, der seit diesem Jahr nicht mehr unter uns weilt. Mein Lieblingssong von ihm selbst gesungen war Purple Rain.

Ein Lied, welches er schrieb, jedoch von einer anderen Person gecovert wurde und dadurch zu noch größerer Berühmtheit gelangte, ist Nothing compares 2 u.

Puh, Gänsehaut. Einen sehr schönen Artikel zu Prince hat StadtkindFFM hier verfasst. Sehr zu empfehlen.


Zu David Bowie schrieb ich ja bereits einige Zeilen und noch immer wiegt der Verlust schwer. Eine noch detailliertere Auflistung von Persönlichkeiten, die 2016 gestorben sind, findet ihr hier.

Und jetzt? Lasst uns die Zeit nutzen und zu den Konzerten der Künstler gehen, die wir gut finden. „The Cure“-Frontmann Robert Smith zum Beispiel ist, wenngleich es nicht den Anschein haben mag, noch immer in richtig guter musikalischer Verfassung und so sollte man als Fan der Band dringend dm nächstmöglichen Auftritt beiwohnen.

Warum nicht auch mal (wieder) zu Elton John gehen? Er ist für so viele tolle Songs (mit-)verantwortlich und denkt nicht nur an seine Gefährten, wenn diese sterben.

Daneben sollten Rocket Man, Your Song, I’m Still Standing oder das neuere Home Again reichen, um euch zu einem Besuch zu überzeugen. Und verdammt, bei Bennie and The Jets bekomme ich nach 3 Sekunden Gänsehaut.

Passend zur gegenwärtigen Stimmung erschien in der zweiten Jahreshälfte ein trauriges, jedoch ungemein tolles Album. Und auch das zeigt, dass 2016 aus musikalischer Sicht nicht alles schlecht war, ist „Skeleton Tree“ doch ein kleines Meisterwerk. Einen Abschied gibt es auch hier. Und zwar den von Nick Cave von seinem älteren Sohn. Dieser wird hier in unnachahmlicher Weise und einem Schmerz, den man in den Songs hören fühlen kann, verarbeitet.


Vielfach habe ich gehört, nun sei „Pop“ endgültig tot. Es gäbe nichts mehr Rebellisches. Und genau hier muss ich sagen: Unsinn. Vielleicht sollte man einfach ein wenig genauer hinschauen. In meinen Augen gibt es mehrere Künstler, die den Spirit in sich tragen, sei es Alicia Keys, PJ Harvey is still around, Perfume Genius, Sharon Van Etten oder auch Lana Del Rey.

Und ganz besonders eine Performerin schmiegt sich an, in die unfassbar großen Fußstapfen (insbesondere) von David Bowie zu treten: Lady Gaga. Nein, man muss nicht all ihre Lieder mögen. Beim aktuellen Album komme ich selbst auf maximal 50% – gerade weil einige der Songs extra so produziert werden, damit sie tanzbar sind – aber muss auch nicht. Es finden sich immer wieder Schmuckstücke in ihren Werken und zudem verbindet Gaga die unterschiedlichsten Stile, probiert sich überall aus und beeinflusst durch Musik und Look auch die Gesellschaft. Kaum ein_e zweite_r Künstler_in hat dermaßen den Anspruch an sich selbst, „artsy“ zu sein und achtet dabei so sehr auf gesellschaftliche und kulturelle Strömungen, die sein bzw. ihr Schaffen beeinflussen.

Der Grund, warum ich sie hier anführe, liegt jedoch woanders: Wenn man alles wegnimmt, all das Drumherum isoliert, jegliches Geblubber verstummen lässt und sich nur noch auf die Musik fokussiert, dann bleibt die Kunst. Stimme, Text und Instrumente. Und genau hier liegen die wahren Stärken von Lady Gaga. Stärken, die auch ihre Kollegen erkennen, weswegen einige nicht müde werden, ihre Qualitäten zu loben. Wie beispielsweise oben genannter Elton John. Er weiß halt, was gut ist. 😉

Auf jeden Fall bis zum Ende anschauen! 🙂

Ich hoffe, dass wir noch viele Jahre Freude an den Werken von Lady Gaga haben werden und gleichzeitig neue Künstler die Bühne betreten, die fernab der immer gleichen seichten Radiomusik bestrebt sind, in Menschen etwas auszulösen. Dann lässt sich auch der Verlust, den das Jahr 2016 mit sich gebracht hat, irgendwann kompensieren.

 

Titelbild: bernswaelz @ pixabay.com

Spread the love!