Es begann mit einer Junior-Tüte

Ich war 10. Unterwegs mit meinem Vater. Ein Ausflug nach Frankfurt. Wenn ich mich recht entsinne, ging es in den Frankfurter Zoo, Pinguine anschauen. Und später zu McDonalds. Ja, für mich war das damals eine riesen Sache. Das Restaurant zum Goldenen M gab es in unserer Gegend (zum Glück) erst einige Jahre später. Für mich gab es, wie früher üblich – als ich noch nicht so hungrig war – eine Junior-Tüte. Doch an diesem Tag wollte ich noch etwas anderes mitnehmen: Eine CD. Musik. Die Rock Super Stars Vol.2. Einige Namen auf der Platte kannte ich damals schon und allein wegen Genesis und Roxette, beide bekannt aus dem Plattenschrank meiner Eltern, musste ich mir die Compilation holen. Ganz oben auf der Playlist fand sich ein Song, welcher mich schlagartig bezauberte. Let’s Dance. So smooth, so slick. 10 mal hintereinander gehört und schon konnte ich den Text. Und David Bowie war mir plötzlich ein Begriff.

Einige Zeit später. An den Musiksendern blieb ich beim Zappen immer wieder hängen. Und plötzlich China Girl. „Wer ist dieser komisch blasse Typ da und warum ist das Mikro in seiner Hand so dünn? Aber die Stimme kenne ich…ach das ist David Bowie?“ An ihm als Beispiel erklärte mir meine Mutter den Begriff androgyn, wieder was gelernt. Und wenig später sollte ich sodann auch noch weitere Werke von ihm kennenlernen. Hello Spaceboy. Eine ganz andere Musikrichtung und doch in Kombination mit den Pet Shop Boys für elfjährige Ohren faszinierend. Und dann. Irgendwo, irgendwann. Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber es muss im Fernsehen gewesen sein. Heroes. Spätestens hier war alles vorbei. Das Stück übt bis heute eine fast eigenartige Faszination auf mich aus. Zerbrechlich aber doch hoffnungsvoll. Under Pressure. Hier kann ich meine Tränen kaum noch unterdrücken. Queen und David Bowie. Ich liebe Collaborations, den gemeinsamen Austausch von musikalischem Talent und das Gefühl, dass dieses Lied durch die beiden Sänger Bowie und Mercury transportiert, ist kaum in Worte zu fassen. Später sehe ich Bowie mit Annie Lennox bei einem Freddy Mercury Tribute Konzert. Gänsehaut. Neunzehnhundertneunundneunzig. Ich sitze auf der Couch meiner Großeltern und schaue „Wetten, daß..?“. Thursday’s Child flimmert über den Bildschirm.

Mit wachsender Bekanntheit von Napster und Co. gab es dann wenig später kein Halten mehr. Ich lernte mir völlig neue Lieder kennen, entdeckte alte Klassiker wie Ziggy Stardust, Space Oddity und erfahre, dass The Man Who Sold The World gar nicht von Nirvana ist. Dancing In The Street, Cracked ActorLoving The Alien, Changes. „Was? Heroes auch in deutscher Sprache?“ Ich erwische mich heute noch dabei, dass ich total wahllos Strophen von Fame vor mir her singe. Zweitausenddrei dann mein erstes gekauftes Album von David Bowie: Reality. Und The Loneliest Guy ist seitdem ein ständiger Begleiter in den von mir erstellten Playlists.

David Bowie war ein Freak. Und genau solche Freaks braucht es in unserer Gesellschaft. Diese unzähmbaren Kreativlinge, die nicht nur ihren, sondern auch unseren Horizont erweitern wollen. Die Verdienste des „Thin White Dude“ sind so vielfältig und betreffen verschiedenste Bereiche unseres heutigen Lebens. Das Chamäleon des Showgeschäfts und der vielleicht einflußreichste Popstart aller Zeiten. Selbst Pro-Wrestling wurde von Bowie inspiriert, nicht zuletzt aufgrund seiner verschiedenen Charaktere, die er im Musikbusiness zu Leben erweckte. Aktuell trägt Cody Rhodes, ein WWE-Superstar, sogar ein Gimmick namens „Stardust“. Wenig verwunderlich also, dass auch er Bowie Tribut zollt.

Ich werde seine Musik für ewig ganz nah bei mir halten und verliebe mich nun ein wenig in die Worte, die Annie Lennox zum Ableben ihres Freundes und ehemaligen Duettpartners fand.

Bildnachweis: By k_tjaaa (Flickr: David Bowie Mural) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons, Größe geändert.