10 Jahre auf Twitter

Vor genau 10 Jahren meldete ich mich bei Twitter an. Ohne genau zu wissen, worauf ich mich da einlasse.

Meine ursprüngliche Idee war eigentlich, dass ich zwei Freunde via Twitter darüber informiere, was wir zur gleichen Zeit in Köln beim Raab Ableger „Schlag den Kumpel“ Absurdes treiben. Schnell stellte sich heraus, dass ich das wohl nicht ganz so gut durchdacht hatte. Aus der Idee wurde nix und stattdessen kam ich wenig später erneut zu Twitter. Diesmal im Rahmen meines vielleicht liebsten Hobbys: Wrestling! Die Welt des Wrestlings ist international und so auch Twitter. Doch so richtig tief lief der Einstieg erst, als ich mich näher mit den Hashtags auseinandersetzte und auch nach lokalen Tweets suchte. Das Ergebnis: Frankfurt erschloss sich mir durch Twitter komplett neu. Noch lebte ich nicht in der Stadt, die ich mittlerweile auch schon fast 10 Jahre meine Heimat nenne. Doch ich lernte die Twitterer der Stadt kennen – und mögen. Ich war kein richtiger Early Adapter, vielleicht etwas später dran, doch bekam ich die erste und ursprüngliche Welle von Twitter noch mit. Eine Welle, die mir fast ein wenig fremd war. Es ging um Herzchen, möglichst viele. Coole Sprüche, Wortwitz. Das war zu Beginn von Twitter gefragt. Weniger Politik, weniger eigene Meinung. Doch wenn es mal Treffen untereinander gab, Twitterer sich austauschten, war das ein wenig wie ein Blind Date. Oft anders, als man es vermutete, aber meist verstand man sich schnell mit den jeweiligen Personen…und sei es nur für einen Abend bei Mispelchen und Frankfurter Schnitzel. 

Ich bin froh, durch Twitter so manchen wirklichen Freund kennengelernt, sogar Liebe erlebt zu haben, dadurch überhaupt erst zum Podcasting gekommen zu sein (looking at you Eintracht Podcast) und nebenbei noch Kontakt mit Leuten innerhalb und außerhalb meiner Bubbles zu haben. Sei es mit gleichgesinnten Wrestlingfans aus UK, Eintracht-Fans aus dem Rhein-Main-Gebiet oder politisch Andersdenkenden aus Berlin. Trotzdem merke ich auch bei Twitter einen Wandel. War es 2009 in Deutschland noch der Ort für kecke Sprüche und Favstar-Ratings, entwickelte es sich immer mehr auch zu einem politischen Medium. Journalistischer, aber gleichzeitig auch mit mehr Meinung und mitunter persönlichen Angriffen. Das Klima wurde rauer, auch bei Twitter.

Trotz allem, trotz aller Schwierigkeiten, ist es für mich immer noch „mein“ Medium. Während ich Facebook nur noch im beruflichen Kontext nutze und Instagram zwar als Konsument großartig finde, jedoch selbst zu schlechte eigene Fotos mache und Selfies eher reduziert einsetze, schreibe ich meine Gedanken auch 10 Jahre später noch bei Twitter auf. Vielleicht ein wenig kondensierter, die Worte wähle ich bei manchen Themen sorgfältiger aus, aber es bleibt mein persönlichste Medium. Mit den Nutzerinnen und Nutzern macht es noch immer Spaß, es zeigt mir viele andere Blickwinkel auf, lässt mich hin und wieder grummelig werden, jedoch viel öfter ein Lächeln oder Lachen erzeugen und den Fokus darauf lenken, was Freunde oder ich als relevant erachten.

Auf die nächsten 10 Jahre!