Weltmeisterliches Gepöbel

Ganz ehrlich: ich freue mich für das Team. Zwar ist mir dieses Marketingkonstrukt #DieMannschaft zuwider, überschreitet mit #ViveLaMannschaft eine gewisse Schamgrenze und holt mich mit dem Fan Club der Nationalelf schlichtweg nicht ab. Aber für den Kern, die Mannschaft um Jogi Löw, die es nun zum wiederholten Male geschafft hat, ins Halbfinale eines großen Turniers einzuziehen, habe ich Sympathien. Ich mag diese Spieler, ihre Haltung zu Fußball und Gesellschaft und kann mich, sofern das möglich ist, mit ihnen identifizieren.

Umso schwerer machen es mir allerdings die Schlandisten dieses Landes. Ich will nun gar nicht auf die müßige Flaggendiskussion eingehen, auch hier wäre eine differenzierte Betrachtung notwendig und sinnvoll. Was gestern jedoch wieder augenscheinlich wurde: Viele Deutsche haben ein Problem mit Italienern. Peinlich wurde es schon im Stadion, als „Scheiß Italiener“ gesungen wurde. Und auch bei Twitter bemühen die Schalalalaschlandies gängige Klischees, um sich am Gegner zu reiben, benutzen abfällige Bezeichnungen und gehen damit meines Erachtens unter die Gürtellinie:

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Lustig, dass der Wuttwitterer ein Blog betreibt und erst letztens ein italienisches Restaurant besucht hat. Wie ist das so? Sich einerseits über die „Freunde“ beklagen und sich andererseits beim Italiener bereitwillig den Bauch mit Pasta vollzuhauen? Wird dann genauso gepöbelt? Oder werden dann plötzlich andere Maßstäbe angelegt?

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Natürlich dürfen die üblichen, sich auf Lebensmittel beziehende, Beschimpfungen nicht fehlen. Das insbesondere Pizza die beliebteste Speise in Deutschland ist, wird dabei gerne vergessen.

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Und auch solche Kommentare gab es bei Twitter gestern zuhauf, noch härtere habe ich hier bewusst weggelassen. Klar, vielleicht mag 2006 und auch 2012 viele empfindlich getroffen haben. Doch warum man ein solch niedriges Niveau beschreiten muss, bleibt mir ein Rätsel. Es zeigt sich, dass Chauvinismus in Deutschland allgegenwärtig ist (no news here) und es zum großen Teil die Flachkegler unter den Fans sind, die mir ein beträchtliches Stück Freude am Spiel von Boateng, Neuer, Özil und Co. rauben.

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